Braucht Zuhören Mut?
Gespräche mit meiner Tochter fordern mich regelmäßig heraus. Nicht nur, wenn es um Konfliktgespräche und unsere Beziehung geht, sondern auch wenn es um ihre Bubble geht, ihr Alltagsleben. Oft genug hält sie mir den Spiegel vor und nicht immer zeigt er nur die positiven Seiten. Wir und unsere Beziehung wachsen in diesen Gesprächen.
Bei unseren Gesprächen geht es natürlich nicht nur ums reden. Eine Herausforderung für uns beide ist das Zuhören. Je nach Gemüts- und Energiezustand fällt es uns mal mehr mal weniger schwer der anderen wohlwollend und radikal zuzuhören, um danach wirklich in den Dialog zu gehen bzw. im Dialog zu bleiben.
Es gibt Phasen, in denen
- eine die andere unterbricht, die andere das aber auffangen kann,
- wir in einen Strudel des sich gegenseitig Unterbrechens geraten
- wir zu dem Schluß kommen, das Gespräch später fortzusetzen.
“ Vertrauen fängt mit Zuhören an.“ So Frank Dopheide auf LinkedIn. Derzeit herrschen Misstrauen und Aggressivität in der Gesellschaft. Es fehlt an Verständnis von Kommunikation. Dabei ist Vertrauen doch die Grundlage für eine gemeinsame Zukunft. Gemeinsam heisst auch über die eigene Filterblase hinaus. Das heisst: ich muss meine Bubble verlassen, um neue Perspektiven kennenzulernen, sie zu verstehen und Gemeinsamkeiten herauszufinden. Das funktioniert natürlich am besten übers Zuhören.

Manchmal braucht es Mut zuzuhören.
Boris Diekmann in seinem LinkedIn Beitrag “ Mutig zuhören Wenn sie mitfühlendes Zuhören üben, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass sie nur mit einem Ziel zuhören, nämlich der anderen Person zu helfen, weniger zu leiden.“
Dieser Prozess des mitfühlenden Zuhörens hat viel Kraft und Energie und darüber hinaus erfordert er Mut. Es ist ein zielgerichtetes Zuhören. Man hört dem anderen zu, um dem anderen zu helfen. Es geht um Akzeptanz selbst bei negativen Äusserungen soll die Haltung mitfühlend bleiben. Dadurch dass ich bewusst zuhöre und selber achtsam (noch nichts) rein gebe, schütze ich mich selbst. Das Zuhören ermöglicht Verbindung und Verständnis.
Wir brauchen diese Fähigkeit und den Willen zuzuhören, um eine intelligentere und das Leben fördernde Kultur kollaborativ aufzubauen.
Dabei kann das auch Angst machen. Gerade das mitfühlende Zuhören kann Angst machen; wenn ich gefordert bin, erstmal nicht zu reagieren, sondern nur aufzunehmen.
Und ist nicht genau das auch Mut? Das Überwinden dieser Angst?
Raus aus meiner eigenen Komfortzone, aus meiner Bubble, heisst aber auch, dass ich ein Risiko eingehe:
– abgelehnt zu werden,
– mich unwohl zu fühlen,
– mich verletzbar zu zeigen und verletzt zu werden,
einfach, weil ich die andere Bubble nicht kenne und sie mich nicht kennt.
Zugleich ist es die große Chance, etwas Neues mit Anderen zusammen zu erarbeiten und kreativ entstehen zu lassen. So entsteht etwas Neues etwas Innovatives.
Wenn alle gleich denken und diese Gefahr besteht ja immer innerhalb einer Bubble, wird immer nur Gleiches wieder reproduziert. Es ist aber nicht neu. Für eine reine Kooperation. Ist das ausreichend. Aber: Wir können mit altem Denken keine neuen Probleme lösen.
Zuhören lässt Gemeinsamkeiten identifizieren.
Zusammenarbeit schafft Gemeinsamkeit und erfordert Vertrauen, um sie wirksam werden zu lassen. Vertrauen braucht Mut und einen Vorschuss auf eine wie auch immer geartete, gemeinsame Zukunft. Gleichzeitig basiert Vertrauen auf den Erfahrungen der Vergangenheit. Vertrauen ist ein Zustand der Unsicherheit und des Unwissens. Daraus kann wiederum Angst entstehen. Auch die Angst selbst nicht gehört zu werden.
Um das zu überwinden, braucht es Mut.
Zuhören fördert Vertrauen, Mut und Zusammenarbeit.
Diesen Goldstandard sollten wir uns nicht nehmen lassen.
